Aktuelle Befragung unter österreichischen Top-500 Unternehmen von A.T. Kearney und der Wirtschaftsuniversität Wien
Stimmung österreichischer Unternehmen zur EU-Osterweiterung durch Krise getrübt Wien, 17. September 2009
Die Einstellung der österreichischen Top-Manager zur bisherigen EU-Osterweiterung wurde durch die Wirtschaftskrise deutlich gedämpft. Der Grundtenor bleibt aber weiterhin positiv. Dies ergab der aktuelle Top-Manager-Index (TMI), die größte langfristig ausgerichtete Managerbefragung Österreichs, die bereits zum siebten Mal von der Top-Managementberatung A.T. Kearney und dem Institut für Unternehmensführung der WU Wien durchgeführt wurde.
Der Index spiegelt die Erwartungen der Führungskräfte zur EU-Erweiterung wider. Im Detail wurde die Einschätzung der kurzfristigen und der langfristigen Auswirkungen auf österreichische Top-Unternehmen unter deren Führungskräfte erhoben. Erwartungsgemäß fällt diese auf den tiefsten Stand seit Durchführung der Studie. „Durch die Wirtschaftskrise hat der Osteuropa-Boom einen deutlichen Dämpfer bekommen“, bestätigt A.T. Kearney Experte und Principal Kurt Oswald. „Darunter hat auch die positive Einstellung gegenüber der EU-Erweiterung gelitten“. Tatsächlich beurteilen 75% der befragen Top-Manager die bisherige Erweiterung als positiv. Im November 2007, als die Studie das letzte Mal durchgeführt wurde, lag der Prozentsatz noch bei 87%.
Dennoch ist keine generelle Trendwende in Sicht: „Kurzfristig stufen zwar deutlich mehr Top-Manager die bisherige EU-Osterweiterung als risikoreich oder neutral ein, langfristig sehen sie allerdings sowohl die Auswirkungen auf ihre Branche als auch ihre bisherigen geschäftlichen Erfahrungen mit EU-Oststaaten positiv“ erklärt Prof. Gerhard Speckbacher vom Institut für Unternehmensführung der WU Wien.
Trotz Krise: Starker Wirtschaftsstandort Österreich
Auch die Auswirkungen der EU-Erweiterung auf Österreichs Wirtschaft werden weiterhin durchwegs positiv eingestuft: 95% sehen eine steigende Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Österreich (TMI 2007: 98%). Bemerkenswert ist zudem, dass trotz der Wirtschaftskrise 100% der Befragten durch die Osterweiterung ein steigendes Wirtschaftswachstum erwarten (TMI 2007: 95%). Außerdem ergab die Studie, dass 91% (genauso viele wie 2007) an eine steigende Wettbewerbsfähigkeit Österreichs glauben und dass Umsatzeinbrüche und Personalabbau für Österreich weniger gravierend eingeschätzt werden als für Osteuropa.
Mehr Arbeitslose durch Osterweiterung?
Nur 23% der Studienteilnehmer erwarten durch die bisherige Osterweiterung der EU steigende Arbeitslosenquoten. Dies sind zwar um 3% mehr als bei der letzten Studie, aber verglichen mit 2006 um 34% weniger. Auch in den Jahren vor 2006 war diese Einschätzung deutlich höher. Erklärbar ist dieses Phänomen dadurch, dass österreichische Unternehmen deutlich weniger Standortverlagerungen durchgeführt haben und auch gegenwärtig durchführen als in den Jahren nach der Erweiterung erwartet wurde.
Sinkende Lohnkosten weniger wahrscheinlich
Sehr deutlich haben sich die Erwartungen bezüglich der Lohnkostenentwicklung gewandelt: Rechneten 2007 noch 52% der Top-Manager mit sinkenden Lohnkosten, so sind es 2009 nur noch 32%. „Im Zuge der Wirtschaftskrise hat der Einfluss der EU-Osterweiterung auf die Lohnkosten in Österreich an Bedeutung verloren“ so Oswald und fügt erklärend hinzu: „Die Ursache dafür liegt neben eingeschränkten Standortverlagerungen darin, dass in den osteuropäischen Märkten überwiegend Vertriebs- und Produktionsfunktionen angesiedelt sind; in Österreich dominiert hingegen Forschung & Entwicklung“.
Wirtschaftskriminalität als großer Risikofaktor
Ein weiteres interessantes Detail der Studie: 88% (TMI 2007: 89%) sehen durch die EU-Osterweiterung die Gefahr einer steigenden Wirtschaftskriminalität. Speckbacher: „Die Einschätzung der österreichischen Top-Manager zu den Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Wirtschaftskriminalität in Österreich ist seit Beginn der Befragungen im Jahr 2003 auf hohem Niveau unverändert; auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise zeigt keinen Einfluss.“
Erhebungsdesign der TMI-Studie:
Die siebte Top-Manager-Index (TMI) Umfrage wurde im Juli 2009 durchgeführt. 115 Manager der 500 Top-Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie Industrie, Dienstleistungen, Finanzen und Handel nahmen an der schriftlichen Befragung teil. Im Mittelpunkt der Befragung standen Themen rund um die Einstellung gegenüber der EU-Osterweiterung, konkreten Maßnahmen österreichischer Unternehmen im Zuge der Wirtschaftskrise und Erfolgsfaktoren der Krisenbewältigung.