Die Assekuranz steht vor großen Herausforderungen. So führt nicht nur die Finanz- und Staatsschuldenkrise zu schwierigeren Anlagebedingungen am Kapitalmarkt mit extrem erhöhter Volatilität und einem mittelfristig zu erwartenden Niedrigzinsniveau, sondern auch die Regulierungsanforderungen, inzwischen immer öfter aus der europäischen Legislative getrieben, verschärfen sich erheblich mit enormen Konsequenzen für das Risikomanagement (Solvency II) und die Produktentwicklung (z.B. Unisextarife) der Versicherer.
Zusätzlich zeigen die Makrotrends Wirkung: zunehmende Alterung der Gesellschaft, einschreitender Klimawandel, rasante technologische Entwicklung und auch die perspektivische Verknappung der Ressourcen werden die weitere Entwicklung entscheidend beeinflussen. Das alles in einem Markt, der nach wie vor unter enormen Wettbewerbsdruck steht mit abnehmender Kundenbindung, Commoditisation, Intensivierung der Direktvertriebe, Preiskämpfen und neuen Markteintritten.
Einige spartenübergreifende Themen:
Weiterentwicklung von Provisionssystemen
Weiterentwicklung der Risikomanagementsysteme (Solvency II)
Komplexitätsmanagement
Kompositversicherung
Der Komposit-Bereich befindet sich im Verdrängungswettbewerb und ist seit einigen Jahren von stagnierenden Beitragsvolumina und anhaltendem Preisdruck geprägt. In diesem Umfeld zu wachsen, gelingt nur mittels neuer wettbewerbsfähiger Produkte und durch Anpassungen im Geschäftsmodell.
Unter diesen Bedingungen verändern sich die Produkte einerseits zu „commodities“. So besser vergleichbar, steigt die Attraktivität der Online- und Direkt-Vertriebe. Andererseits entwickelt sich eine erweiterte value proposition mit Assistanceleistungen und aktivem Schadenmanagement. – Hervorzuheben bei diesen Entwicklungen sind sicher die Kraftfahrzeugversicherungen. Aber auch andere gängige Versicherungsfelder wie Hausrat oder Haftpflicht können sich dem Trend nicht entziehen.
Wesentliche Themen in der Kompositversicherung sind:
Marktorientierte Produkt- und Preisgestaltung
Weiterentwicklung CRM (Cross-Selling etc.)
Prozeßoptimierung
Produktentwicklung unter Verwendung neuer Technologien (z.B. Telematic)
Re-Positionierung am Markt als „Helfer in der Not“ durch Integration von Assistance-Leistungen und beste Leistungserbringer-Netze
Multikanalstrategie: Auf- und Ausbau von Direkt- oder Onlineversicherern
Erschließung alternativer Vertriebskanäle (z.B. Kooperation mit Herstellern)
Lebensversicherung
Die Lebensversicherung ist die Sparte, die den Auswirkungen der Finanz- und Staatsschuldenkrise am stärksten ausgesetzt ist. Insbesondere das inzwischen mittelfristige Niedrigzinsniveau, der Kursverfall einiger Anleihegruppen und die extreme Volatilität erschweren die den Produkten unterliegende nachhaltige Kapitalanlage erheblich.
Attraktive Renditen im Leben- und Rentenversicherungsgeschäft sind erst einmal passé. So ist das Neugeschäft – auch das der Einmalbeiträge – zwischenzeitlich deutlich rückläufig. Mit dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Kunden sowie dem Langlebigkeitsrisiko jedes einzelnen bleibt aber der Vorsorgebedarf groß. Entsprechend ist das Marktpotenzial im Bereich der Altersvorsorge sehr ausgeprägt und der Bedarf an Sicherheit – auch im Hinblick auf den Kapitalmarkt – steigt. Raum für mehr Lebensversicherungsgeschäft.
Wesentliche Themen für Lebensversicherer sind:
Konsequente Ausrichtung auf private und betriebliche Altersvorsorge
Entwicklung und Einführung von UNISEX-Tarifen
Entwicklung neuer Produkte, z.B. Variable Annuities
Entwicklung spartenübergreifender Produkte, z.B. integrierte Pflegeversicherungsprodukte für Best-Ager
Outsourcing-Strategien bzgl. Asset Management
Etablierung und Stärkung weiterer Vertriebskanäle: Makler, Kooperationen, Worksite Marketing etc.
Krankenversicherung
Krankenversicherung ist nach wie vor ein Thema höchster politischer Aufmerksamkeit. Auch wenn bei den GKVen durch Gesundheitsfonds und aufschwungbedingt breiterer Mitgliederbasis eine kurzfristige finanzielle Entspannung eingekehrt ist, und auch die PKV – wider der politischen Wahrnehmung – mit inzwischen gut 9 Mio. Vollversicherten stetig weiterwächst: die eigentliche Entscheidung ob Bürgerversicherung oder nicht steht noch aus. Unabhängig von diesem radikalen Konflikt, hat sich in den letzten Jahren mit der Zusatzversicherung, in der die PKV inzwischen die 22 Millionenmarke gerissen hat, ein attraktives und bedeutungsvolles Geschäftsfeld entwickelt. Künftig ist auf diesem Gebiet hinsichtlich Produktentwicklung und –kombinationsmöglichkeiten viel zu erwarten. Vertrieblich gesehen machen der PKV die politisch eingeforderten neuen Provisionsregelungen inklusive fünfjähriger Stornohaftung zu schaffen, auch wenn so eine versicherungstechnische Lücke geschlossen wird.
Das langfristige Wachstum sowohl in der Voll- als auch in der Zusatzversicherung stellen die eigentlichen Herausforderungen dar. Insbesondere bei der Krankheitskosten-Vollversicherung können die politischen Hürden dabei nur durch das bessere Angebot in Konzept, Dienstleistungen und Preisen genommen werden. Genauso bei dem inzwischen zunehmend gesättigten Zusatzversicherungsmarkt. Analog müssen hier die Konzepte sinnvoll erweitert werden.
Entsprechend breit ist die Themenpalette, mit denen sich PKV-Unternehmen derzeit befassen:
Ausbau des Zusatzversicherungsgeschäfts inkl. Pflegeversicherung: Weiterentwicklung der Produktpalette, Erschließung neuer Vertriebskanäle
Weiterentwicklung der PKV/GKV-Kooperationen in Vertrieb und Marketing, Ausbau auf den Leistungs-und Vertragsbereich, Entwicklung gemeinsamer Produktentwicklungsprozesse
Weiterentwicklung des Leistungs- sowie Versorgungsmanagements, Ausbau der Kompetenz im Bereich Verträge, Entwicklung neuer Versorgungs-, aber auch Präventionskonzepte
Fusionen und Kooperationen, Prüfung Bestandsübertragungen insbesondere für sehr kleine Krankenversicherer
Erhöhung der vertrieblichen Effizienz: Qualifizierung und Spezialisierung, neue Provisionskonzepte
Entwicklung und Einführung von UNISEX Tarifen
Der Wertbeitrag von A.T. Kearney
A.T. Kearney arbeitet mit Erst- und Rückversicherungen in Themenbereichen aller Sparten an den fundamentalen Herausforderungen der Branche:
Entwicklung Gesamtstrategie
Vertriebsstrategie und Vertriebseffizienz
Organisatorische Neugestaltung
Komplexitätsmanagement
Merger Integration
Aktives Produktmanagement und Pricing
Schadenmanagement / Optimierung Operating Model
IT-Strategie, Effizienzsteigerung durch IT-Einsatz und innovative IT-Lösungen